Sonntag, 7. Mai 2006
Rückkehr zu Altem und Neuem
Es kommt mir vor, wie eine Ewigkeit. Lange war ich nicht mehr da gewesen. Wenn man sechs Monate als lang bezeichnen will. Gemessen am zwischenzeitlich Erlebten, wäre es jedoch für manchen im Alltagstrott der zivilisiert-starren Wohlstandsgesellschaft festklebenden Bundesbürger eine halbe Ewigkeit. Damals war ich vor dem ganzen Trott geflüchtet. Vor der Institution, der Gesellschaft, vor meinem Leben, vor Deutschland. Und ich bereue keine Minute. Das unvorstellbare, stets weit in der ferne liegende Ende kam allerdings schnell. Schneller, als wirklich realisierbar. Doch ein Ende war von je her gleichbedeutend einem Anfang. So beginnt auch hier wieder etwas Neues, wenngleich auch nicht gänzlich Neues.
Da ich nun beladen mit tonnenweisen Eindrücken zurückkehre erfasst mich unverhofft ein anregendes Gefühl – Vorfreude begleitet meine Vorbereitungen für den nächsten Lebensabschnitt. Während ich meine Umzugskisten packe umgibt mich ein wohliges Gefühl der Freude auf Altbekanntes (wenn auch nicht wirklich schmerzlich Vermisstes) und paart sich mit dem prickelnden Zustand der Ungewissheit. Ich habe tausend Pläne und Ideen, was ich ändern will, was ich fortführen möchte, wie es sein wird und wen ich ersehne nach langer Zeit wieder zu treffen.

Als ich aus dem Bus steige, betrachte ich die Szenerie. Der klassizistische Bau der Neuen Aula thront majestätisch über dem Platz. Die Stufen unter den großen schweren Flügeltüren werden von lebhaften jungen Menschen bevölkert. Die beiden kleinen runden Springbrunnen plätschern lustig vor sich hin. Die Fahrradständer unter den mächtigen Fenstern sind überfüllt. Ein Radfahrer prescht an mir vorbei. Ich schaue ihm nach wie er auf dem rot unterlegten Radweg Richtung Innenstadt verschwindet. In einem Anflug anarchischer Gewohnheit überquere ich bei Rot die Strasse und gehe weiter. Vor der Mensa werden Flyer verteilt. Auf den Stufen und Bänken plaudert das junge Volk voller Elan. Teils ausgeprägte Gestikulation lassen angeregte Diskussionen erahnen. Bei anderen überwiegt simple Wiedersehensfreude, welche ein Großes Hallo hervorruft. Ich mische mich unter das Volk. Vor dem Eingang der Cafeteria werden allerlei optisch mehr oder weniger ansprechende Poster und Kunstdrucke zum studentischen Vorteilspreis angeboten. Ich genieße das kurzzeitige Privileg des (fast) außenstehenden Betrachters, beobachte das lebhafte Treiben und fühle mich durch diesen anderen Blickwinkel amüsiert und gut unterhalten. Gleichzeitig halte ich Ausschau nach mir bekannten Gesichtern. Auf dem Rasen vor der Unibibliothek räkeln sich die ersten Sonnenschwärmer. Die Bäume sind noch etwas kahl - aber das wird schon, denke ich mir. Später kommt mir selbst die sonst so trocken wirkende und wenig Charme versprühende Institutsbibliothek vor wie das (wissensbestückte, die Geheimnissen des Lebens bergende) Paradies auf Erden. Was ist da nur los?

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Rückkehr zu Altem und Neuem
Es kommt mir vor, wie eine Ewigkeit. Lange war ich nicht mehr da gewesen. Wenn man sechs Monate als lang bezeichnen will. Gemessen am zwischenzeitlich Erlebten, wäre es jedoch für manchen im Alltagstrott der zivilisiert-starren Wohlstandsgesellschaft festklebenden Bundesbürger eine halbe Ewigkeit. Damals war ich vor dem ganzen Trott geflüchtet. Vor der Institution, der Gesellschaft, vor meinem Leben, vor Deutschland. Und ich bereue keine Minute. Das unvorstellbare, stets weit in der ferne liegende Ende kam allerdings schnell. Schneller, als wirklich realisierbar. Doch ein Ende war von je her gleichbedeutend einem Anfang. So beginnt auch hier wieder etwas Neues, wenngleich auch nicht gänzlich Neues.
Da ich nun beladen mit tonnenweisen Eindrücken zurückkehre erfasst mich unverhofft ein anregendes Gefühl – Vorfreude begleitet meine Vorbereitungen für den nächsten Lebensabschnitt. Während ich meine Umzugskisten packe umgibt mich ein wohliges Gefühl der Freude auf Altbekanntes (wenn auch nicht wirklich schmerzlich Vermisstes) und paart sich mit dem prickelnden Zustand der Ungewissheit. Ich habe tausend Pläne und Ideen, was ich ändern will, was ich fortführen möchte, wie es sein wird und wen ich ersehne nach langer Zeit wieder zu treffen.

Als ich aus dem Bus steige, betrachte ich die Szenerie. Der klassizistische Bau der Neuen Aula thront majestätisch über dem Platz. Die Stufen unter den großen schweren Flügeltüren werden von lebhaften jungen Menschen bevölkert. Die beiden kleinen runden Springbrunnen plätschern lustig vor sich hin. Die Fahrradständer unter den mächtigen Fenstern sind überfüllt. Ein Radfahrer prescht an mir vorbei. Ich schaue ihm nach wie er auf dem rot unterlegten Radweg Richtung Innenstadt verschwindet. In einem Anflug anarchischer Gewohnheit überquere ich bei Rot die Strasse und gehe weiter. Vor der Mensa werden Flyer verteilt. Auf den Stufen und Bänken plaudert das junge Volk voller Elan. Teils ausgeprägte Gestikulation lassen angeregte Diskussionen erahnen. Bei anderen überwiegt simple Wiedersehensfreude, welche ein Großes Hallo hervorruft. Ich mische mich unter das Volk. Vor dem Eingang der Cafeteria werden allerlei optisch mehr oder weniger ansprechende Poster und Kunstdrucke zum studentischen Vorteilspreis angeboten. Ich genieße das kurzzeitige Privileg des (fast) außenstehenden Betrachters, beobachte das lebhafte Treiben und fühle mich durch diesen anderen Blickwinkel amüsiert und gut unterhalten. Gleichzeitig halte ich Ausschau nach mir bekannten Gesichtern. Auf dem Rasen vor der Unibibliothek räkeln sich die ersten Sonnenschwärmer. Die Bäume sind noch etwas kahl - aber das wird schon, denke ich mir. Später kommt mir selbst die sonst so trocken wirkende und wenig Charme versprühende Institutsbibliothek vor wie das (wissensbestückte, die Geheimnissen des Lebens bergende) Paradies auf Erden. Was ist da nur los?

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